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Strategie-Onboarding

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Warum der Schritt nach dem Strategie-Workshop entscheidet

Strategie-Onboarding ist der Prozess, der nach dem Strategie-Workshop beginnt. Nicht die Kommunikation der Ergebnisse, sondern das echte Ankommen: mit Raum für Bedenken, Widerspruch und der Möglichkeit, ein eigenes Ja zu finden. Denn Ownership lässt sich nicht verordnen. Es muss wachsen.

 

Der Strategie-Workshop war gut. Die Ziele sind klar. Die KPIs stehen. Der Plan ist ausgearbeitet. Und drei Monate später hat sich wenig bewegt.

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster. Und es hat einen Grund.

 

1. Sprache verrät unser Denken und formt es

Nach Strategie-Prozessen kursieren in Organisationen immer wieder dieselben Sätze:

 

"Wir müssen die Leute abholen."

"Wir bringen alle ins Boot."

"Wir holen das Team auf Spur."

 

Was klingt wie Fürsorge, ist in Wirklichkeit ein Denkfehler. Dr. Joachim Schlosser hat das 2019 präzise seziert (schlosser.info): Wer jemanden abholen muss, unterstellt ihm, nicht mobil zu sein. Wer jemanden ins Boot holen muss, hat ihn vermutlich vorher selbst ins Wasser geworfen. Wer Menschen mitnimmt wie einen Koffer -- kein Wunder, dass viele dann auch so mitgenommen aussehen.

Das Problem ist nicht die Phrase allein. Das Problem ist das Denken dahinter. Und das, was dieses Denken dann auslöst.


Sprache ist kein neutrales Werkzeug. Sie ist Ausdruck unseres Denkens. Und gleichzeitig prägt sie es. Wer von 'Abholen' spricht, denkt in Abholen. Und handelt entsprechend.

Das Ergebnis: Führungskraft = aktives Subjekt. Mitarbeitende = passives Objekt.

Genau das Gegenteil von dem, was nach einem Strategie-Prozess gebraucht wird.

 

2. Der Elefant und der Reiter - warum rationales Alignment nicht reicht


Es gibt ein Bild aus der Systemtheorie, das ich in meiner Arbeit immer wieder nutze: der Reiter auf dem Elefanten.

Der Reiter ist der rationale Verstand. Er kennt die Richtung, er hat den Plan, er überzeugt, argumentiert, erklärt. Der Elefant ist das Emotionale, das Körperliche, das Erfahrungsgedächtnis, die Enttäuschungen, die Erfolge, die unausgesprochenen Bedenken. Groß. Langsam. Und am Ende stärker.


Was passiert in den meisten Post-Strategie-Prozessen?

Der Reiter wird informiert. Sehr gut sogar. Der Elefant wird ignoriert.

Und dann wundert man sich, warum sich nichts bewegt.

Kein Reiter der Welt kann einen Elefanten gegen seinen Willen in eine Richtung zwingen. Er kann nur mit ihm gehen, wenn der Elefant die Richtung als seine eigene erkennt.


Das bedeutet: Strategisches Alignment ist nicht genug. Es braucht emotionales Ankommen. Raum für Bedenken. Raum für Widerspruch. Die Möglichkeit, ein eigenes Ja zu finden.

Nicht weil das netter ist. Sondern weil es wirkt.

(Das Bild geht auf den Moralpsychologen Jonathan Haidt zurück und wird in der systemischen Praxis -- u.a. durch Gunther Schmidt -- weiterentwickelt.)

 

3. Strategie-Onboarding: was konkret anders läuft

Was wäre, wenn der Schritt nach dem Strategie-Workshop genauso durchdacht wäre wie der Workshop selbst?

Nicht: 'Wie kommunizieren wir die Ergebnisse?' Sondern: 'Wie kommen die Menschen wirklich an?'

Ich nenne das Strategie-Onboarding. Ja, ich weiß: Onboarding klingt nach erstem Arbeitstag. Und ich benutze den Begriff bewusst anders, als Gegenentwurf zum klassischen 'Abholen'.

 

Was passiert beim Strategie-Onboarding konkret anders?

 

Bedenken bekommen Raum, nicht als Störfaktor, sondern als Information. Wer Widerstand wegmoderiert, verliert genau das, was er braucht: ehrliches Feedback.

Widerspruch ist erlaubt, auch ohne Lösung. Die Botschaft lautet nicht: alles ist perfekt. Sondern: das ist unsere Richtung, und wir gehen sie gemeinsam - mit allem, was noch offen ist.

Eigene Verbindung entsteht, jede Person findet ihr eigenes Ja. Nicht eines, das eingeholt wird. Sondern eines, das wächst.

 

Das ist kein weicheres Vorgehen. Es ist ein wirksameres.

Denn Ownership lässt sich nicht verordnen. Es entsteht, wenn Menschen spüren: meine Stimme zählt. Meine Bedenken sind gehört. Und ich gehe mit, weil ich es will.

 

Interesse an einem Strategie-Onboarding für dein Team?

Ich begleite Führungskräfte und Teams in genau diesem Schritt: nach dem Workshop, vor der Umsetzung. Wenn das Thema dich bewegt, freue ich mich über ein erstes Gespräch.

 

Einfach Termin vereinbaren: zeeg.me/jakobreinhart/20min

 

Quellen & Referenzen

Schlosser, J. (2019): Abholen, Mitnehmen, ins Boot holen - Management-Sprech seziert. schlosser.info

Haidt, J. (2012): The Righteous Mind. Pantheon Books.

Schmidt, G.: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer Verlag.

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